Putzbrunn ist eine Gemeinde im Landkreis München (Regierungsbezirk Oberbayern), knapp 15 km südöstlich der Landeshauptstadt München gelegen. Sie gehört zur Planungsregion München und grenzt unter anderem an Ottobrunn, Neubiberg und Haar.
Zahlen & Verwaltung
Einwohnerzahl: Die Gemeinde zählt rund 7.200 Einwohnerinnen und Einwohner und ist die kleinste an München angrenzende Gemeinde nach Einwohnerzahl.
Bürgermeister: Michael Schultz (Erster Bürgermeister)
Rathaus / Kontakt: Rathausstraße 1, 85640 Putzbrunn
Lage & Struktur
Putzbrunn liegt auf etwa 555 m Höhe und besteht aus mehreren Gemeindeteilen (z. B. Putzbrunn-Ort, Oedenstockach, Solalinden, Waldkolonie). Durch die Nähe zu München verbinden gute Straßen- und ÖPNV-Anbindungen ländlichen Charakter mit Stadt-Nähe.
Geschichte
Putzbrunn wurde vor mehr als tausend Jahren gegründet. Die Indizien für die Ortsgründung weisen in das 8. Jahrhundert unserer Zeitrechnung zurück. Ähnlich wie bei anderen Nachbarorten auf der sogenannten "Münchner Schotterebene" stand am Anfang der Entwicklung die Anlage eines Brunnens, der dem Ort den Namen gab. Um an den rund 20 m tiefen Grundwasserspiegel zu gelangen, mußte ein Schacht aus Holz und Tuffstein errichtet werden, der sich nahe der alten Schmiede befand und der erst vor wenigen Jahren zugeschüttet wurde.
Der Ortsname verweist darüber hinaus auf den Gründervater der Ansiedlung. Die Urkunden des Hochstifts Freising nennen im Jahre 770 einen gewissen Puzzii, dessen Sippe höchstwahrscheinlich aus dem Hachinger Tal stammte. Sein Besitz in Holzhausen, oberhalb des Deininger Weihers und die Namensverwandtschaft mit Potzham (Puzheim) legen nahe, daß die Rodungsaktivitäten in unseren Wäldern vom Hachinger Tal ausgingen. Urkundlich wird Putzbrunn erstmalig im Zeitraum 976-991 als "Puzeprunnin" in den Urkunden des Erzbistums Salzburg erwähnt. Durch ein Tauschgeschäft gingen neun Höfe und die Kirche vom Erzbischof Friedrich von Salzburg an die Gattin des Chiemgauer Grafen Sigihard, die "edle Frau Willa" über. Putzbrunn war also zu diesem Zeitpunkt schon eine recht ansehnliche Siedlung.
Die enge Beziehung zu Salzburg ist durch den Verlauf eines mittelalterlichen Fernweges zu erklären, der einst durch Putzbrunn führte. Es handelte sich um die Verbindungsstraße vom bedeutenden Isarübergang bei Oberföhring zu den Salzvorkommen in Reichenhall. Im Bereich der Gemeindeflur führte dieser Weg von Trudering herkommend über Solalinden durch die Ortsmitte und weiter über den Siegertsbrunner Weg nach Süden. Auch die Verbindung vom Bischofssitz Freising zu dem bedeutenden Kloster Tegernsee und weiter über den Achenpaß zum Brenner verlief durch Putzbrunn. Erst die Gründung Münchens im Jahre 1158 änderte diese verkehrstechnische Situation.
Ende des 11. Jahrhunderts erfahren wir aus den Tegernseer Urkunden von einem gewissen "Eberhart de Puziprunnen", einem Mitglied des Putzbrunner Orrtsadels. Der Name dieses Geschlechts erscheint immer wieder in den Urkunden der Klöster Tegernsee, Schäftlarn, Ebersberg und Herrenchiemsee. In der Folge waren einigePutzbrunner Höfe Lehensgut der Bischöfe von Freising. 1428 verlieh das Hochstift den Besitz an den Hofmeister und Pfleger vom Heiliggeist-Spital in München, Ludwig Ridler.
Drei Höfe gehörten zu einer Meßstiftung der Liebfrauenkirche in München. Die Höfe in Oedenstockach waren seit 1133 im Besitz des neugegründeten Klosters Weyarn, ebenso wie einiger Besitz in Solalinden, der in der Folgezeit mehrfach zwischen Weyarn und Tegernsee getauscht wurde. 1577 kaufte der Kirchenmusiker und herzogliche Kapellmeister Orlando di Lasso einen Hof in Putzbrunn.
Danach wechselten die Höfe vielfach ihre Besitzer. Im 16. Jahrhundert war Putzbrunn dem Rentamt München eingegliedert, wobei für die Gerichtsbarkeit des westlichen Ortsteils das Pfleggericht Wolfratshausen, für den östlichen Teil das Pfleggericht Schwaben zuständig war. Kirchlich gehörte Putzbrunn seit alter Zeit zur Pfarrei Ottendichl. Schon im Jahre 1315 ist unser Gotteshaus urkundlich als Filialkirche von Ottendichl belegt.
In allen Kriegs- und Notzeiten hatte der Ort besonders wegen der Nähe zur Residenzstadt München schwer zu leiden. Während des Dreißigjährigen Krieges, als die Schweden 1632 München besetzt hatten, wurden fast sämtliche Putzbrunner Höfe niedergebrannt. 1634 wütete die Pest im Lande, und das war danach beinahe entvölkert, verlassene Höfe waren für wenige Gulden zu erwerben. Die Kriege der Neuzeit, insbesondere aber die beiden Weltkriege forderten wie überall auch große Opfer von der Zivilbevölkerung.
In wirtschaftlicher Hinsicht war Putzbrunn immer landwirtschaftlich ausgerichtet. Im Jahre 1803 (zur Zeit der Säkularisation) umfaßte der Ort 20 Höfe, eine Kirche, einen Schmied und ein Wirtshaus. Oedenstockach bestand aus 8 Höfen, und die 4 Höfe von Solalinden waren zu einer sogenannten "Schwaige" vereint worden. 1810 kam der erste Expositus nach Putzbrunn. Zu diesem Zweck hatte man ein Pfarrhaus errichtet, in dem auch Kinder der Nachbargemeinden unterrichtet werden konnten. 1872 wurde ein neues Schulhaus gebaut und der erste weltliche Lehrer eingestellt. Heute ist dieses Gebäude das Putzbrunner Rathaus. Die Stromversorgung des Ortes wurde um die Jahrhundertwende eingerichtet, und 1903 entstand eine moderne Wasserleitung, die über den Wasserturm am Rathaus versorgt wurde.
Die ersten Häuser der Waldkolonie entstanden nach dem 1. Weltkrieg. Es waren Wochenendhäuschen, die sich mittelständische Münchner Familien hier im Grünen errichteten. Nach dem 2. Weltkrieg erlebte der Ort einen ungeahnten Strukturwandel, sowohl was die Bevölkerung wie auch die wirtschaftliche Entwicklung angeht. Durch den Flüchtlingsstrom und die expandierende Landeshauptstadt vergrößerte sich die Einwohnerzahl sprunghaft von gut 400 vor dem Krieg auf mittlerweile über 6800 Einwohner.
Die ideale Wohnlage, die verkehrstechnisch günstige Position und die inzwischen angesiedelte Industrie werden auch in Zukunft ein Garant für das Wohlergehen der Gemeinde sein.
Klaus Schubert, 1994
Wirtschaft & Infrastruktur
Putzbrunn kombiniert Wohngebiete mit kleinen und mittleren Betrieben. Aufgrund der Nähe zu München sind Pendlerströme und wirtschaftliche Verflechtungen mit der Landeshauptstadt prägend. Versorgungseinrichtungen, Schulen und Vereine decken das lokale Gemeindeleben ab; das Rathaus bietet die üblichen kommunalen Dienstleistungen.
Kultur, Vereine & Sehenswürdigkeiten
Kirche(n): Die ortliche Kirchengeschichte und lokale Gotteshäuser prägen das historische Ortsbild. (z. B. Kirche St. Stephan bzw. das ökumenische Kirchenzentrum).
Vereinskultur: Putzbrunn verfügt über ein reges Vereinsleben (Sport, Musik, Kultur), das das Gemeinschaftsleben stärkt.
Wappen
Durch eine eingeschweifte silberne Spitze, darin ein roter Röhrenbrunnen mit Trog, gespalten; vorne in Grün ein silbernes Seeblatt, hinten durch einen schmalen silbernen Wellenbalken geteilt von Rot und Grün.
Der heraldisch stilisierte Brunnen ergibt ein für den Gemeindenamen redendes Bild. Das Seeblatt und die Teilung mit dem Wellenbalken weisen auf frühe historische Beziehungen zur Benediktinerabtei Tegernsee (in Silber zwei gekreuzte grüne Seeblätter) und zur Augustinerpropstei Weyarn (durch silbernen Wellenbalken geteilt von Rot und Grün) hin. Putzbrunn war schon vor 990 als Siedlung an der Straße von Tegernsee nach Freising bekannt. Seit dem 12. Jahrhundert waren das Kloster Tegernsee als Grundherrschaft besonders in Putzbrunn und Solalinden, das Kloster Weyarn in Ödenstockach von Bedeutung.
Was Putzbrunn besonders macht
Eine Mischung aus dörflichem Charakter und Nähe zur Metropole München und eine sehr lange Besiedlungsgeschichte mit nachweisbaren Erwähnungen bereits im frühen Mittelalter.